MEDIA CONVENTION in Berlin: MeToo, Education 3.0, Immersive Design und Augmenting Journalism

Das 5. Jubiläum der MEDIA CONVENTION Berlin war wieder voll gepackt mit aktuellen Themen rund um das Internet. Und mit einem Besucherdurchlauf von fast 20.000 Teilnehmern waren die Panels und Sessions mehr als gut besucht. Auch in diesem Jahr wurde wieder ein neuer Hypebegriff celebriert, den man bereits im Vorjahr auf den amerikanischen Messen gehört hatte: Nach Disruption und Kuration wird nun von Immersion und immersivem Design gesprochen.

– Es ist ein Elend mit den Fremdwörtern und insbesondere in der Kultur kann man sich des Eindrucks nicht verwehren, als müsse man sich nicht nur vom einfachen Volk sondern auch von anderen Akademikern abheben.

Neues Buzzword für den Bildungsbürger

Immersives Design beschreibt die Aktivität einer neuen Generation von Designern, die in allen Story-basierten Medien – von Film und interaktiven Medien bis hin zu Live-Publikum – arbeiten. Immersive Designer beschäftigen sich gleichzeitig mit virtuellen und dimensionalen Umgebungen und berücksichtigen alle Aspekte der Erfahrungen eines Nutzers bei der Interaktion mit einem Produkt, Dienst, einer Umgebung oder Einrichtung. Also der Designer von gestern ist in Zukunft der immersive Designer, der virtuelle (VR), erweiterte (AR) oder offene Realität (XR) gestaltet. Oder wie es Gabriel Valdivia in einem Essay formuliert: „I’m willing to bet that, like many designers before it, the Product Designer is approaching extinction, and setting the stage for the Immersive Designer“, was so viel heißt wie: „Ich wette, dass der Produktdesigner, wie viele Designer davor, vom Aussterben bedroht ist und die Bühne für den Immersive Designer geschaffen hat.“

Darf nicht fehlen: „Zu wenig Frauen in Führungspositionen“


Quelle: https://18.mediaconventionberlin.com/de/page/fotos-2018

Zu den Highlights der Konferenz zählte neben dem Eröffnungs-Fireside-Chat mit Chelsea Manning und den Keynotes von danah boyd und Martha Lane Fox der Talk von Anne Will. (Anmerkung: Unter Fireside wird frei übersetzt nichts anderes als ein Kamingespräch verstanden.) Die TV-Moderatorin trat zum dreijährigen Jubiläum der von Isa Sonnenfeld und David Noël gegründeten Event- und Podcastreihe Role Models auf der MCB18 auf. „Es gibt zu wenig Frauen in Führungspositionen. Weil sich hier nicht schnell genug etwas ändert, bin ich Pro Quote“, sagte Will. Besonders gut kamen beim Publikum auch die in diesem Jahr neu eingeführten Hosts an: Louis Klamroth, Helen Fares, Friederike Lina Schüler, Daniel Budiman, Tarik Tesfu und Duygu Gezen führten durch das Bühnenprogramm und moderierten verschiedene Sessions.

Über Didaktik und Entertainment

Im Rahmen des Panels Kritik und Reformen überall: Ein Neustart des öffentlich-rechtlichen Systems brachte die #MCB18 mit Patricia Schlesinger (rbb), Anne-Marie Dohm (DR Denmark) und Ladina Heimgartner (SRG SRR) die Direktorinnen europäischer Fernsehstationen zusammen. Leider sind sie zu verkrustet und das System versorgt sich selber, als das es dort in Zukunft zu einem „Reboot“, äh Neustart, kommen könnte. Über „Wie Wissen bei YouTube funktionieren kann“ sprachen Harald Lesch, Friederike Haedecke und Mirko Drotschmann mit Moderator Louis Klamroth: „Menschen zum Nachdenken bringen, das ist meine Zielgruppe.“ (Harald Lesch). Im vollbesetzten Media Cube erörterten Toni Nolde, Mai Thi Nguyen-Kim und Tom Erdmann gemeinsam mit Amanda Brennan und Julia Althoff die Frage „Education 3.0“: Sind YouTuber die besseren Lehrer? Eine der Antworten von Amanda Brennan lautete: „Weder können YouTuber Wissen einwandfrei didaktisch vermitteln, noch können Lehrer den ganzen Tag entertainen. Wir müssen da gute Verbindungen hinkriegen.“

Immersives … Design, Storytelling, Reality

In #MeToo als Weckruf: Mehr Frauen hinter die Kamera forderten Nanni Erben (Wiedemann & Berg Film), Steffi Ackermann (Warner Bros. Entertainment), Anna Winger (Autorin) und Kirsten Niehuus (MBB) aktive Maßnahmen, um die Präsenz von Frauen vor, aber vor allem auch hinter der Kamera zu stärken. Gabriel Valdivia, Frank Govaere (UFA Serial Drama) und Danny Lopez (Blippar) sprachen im Rahmen des Panels VR-Produktion: New Realities, neue Produktionsmethoden und neue Regeln über die Möglichgkeiten und Best-Practices im immersiven Design. Über Augmenting Journalism at The New York Times w/ immersive Storytelling und den Einzug von Alternate Reality (AR) in den Newsroom sprach Graham Roberts (New York Times).

Facebook wächst … seine Werbeeinnahmen aber mittlerweile schneller

Der ehemalige Obama-Berater und Policy Advisor von Facebook, Dipayan Ghosh, erklärte in der Session Failure by Design? How the Digital Advertisement Industry drives the Info Sphere: „Die Werbeeinnahmen von Facebook stiegen in den letzten Jahren deutlich stärker als die Anzahl der Nutzer. Hintergrund waren sehr komplexe Anpassungen um personalisierte Werbung zu ermöglichen.“ Im Rahmen des Panels Say it to my Face! How to achieve Transparency for political Advertisement on Facebook diskutierten Liz Carolan (Transparent Referendum Initiative), Thomas Kralinski (Chef der Staatskanzlei & Beauftragter für Medien des Landes Brandenburg), Semjon Rens (Facebook Germany) und Anja Zimmer (mabb) darüber, warum politische Werbung in sozialen Medien zukünftig transparenter gemacht werden sollte und wie dies möglich ist. Anja Zimmer forderte klare Regeln für politische Werbung, nicht nur für Rundfunk und Presse, sondern auch für „Intermediäre“. Damit meint sie auf gut deutsch „dazwischenliegende Sparten“ wie z. B. das Internet.

Regulierung, Regulierung, Regulierung

Generell hatte man den Eindruck, dass die Politik statt über die Zukunft lieber über das Thema Regulierung sprechen wollte. Die Macher der MEDIA CONVENTION, selber aus dem staatlichen Bereich, hatten daher gleich ein Panel danach benannt. Okay, um es abzuschwächen hieß es dann „Smart Regulation“. Es ging also um die Frage, nach welchen Kriterien Inhalte auf Plattformen wie Google bewertet werden und inwieweit Medienbehörden darauf Einfluss nehmen sollten. Vor der Diskussionsrunde hielt Staatssekretärin Heike Raab eine Keynote über die Regulierung von Intermediären. Thomas Fuchs, Nicola Balkenhol, Johannes Dimroth, Katrin Ruther, Hubertus Gersdorf und Kristian Kunow beschäftigten sich in der Session Dürfen die das? Was macht die Regierung auf Facebook und Co.? schließlich mit der Frage, ob der Rundfunkbegriff in Deutschland generell erneuert werden sollte, da er im digitalen Zeitalter und angesichts neuer Internetangebote zu kurz greift.

Die MEDIA CONVENTION Berlin bezeichnet sich als eine der wegweisenden Medienkongresse in Europa. Sie wird vom Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB) und der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg veranstaltet und fand in diesem Jahr zum fünften Mal in Kooperation mit der re:publica in der STATION Berlin statt. Vom 2. bis 4. Mai 2018 ging es auf den #MCB18-Bühnen um aktuelle Fragen der Medien- und Netzpolitik, Markttrends und Entwicklungen der digitalen Mediengesellschaft.

#republica #mcb2018

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