Über die mobile soziale Revolution und den Siegeszug des Plattform-Kapitalismus

Heute fand die diesjährige Gemeinschaftsveranstaltung von Marketing Club Trier-Luxemburg (MCTL), Vereinigung Trierer Unternehmen e. V. (VTU) und Kreis Junger Unternehmer Trier (KJU) statt. Gastredner war einer der profiliertesten Internetexperten Deutschlands, Sascha Lobo. Er beantwortete die Frage, welche Trends die Zukunft der digitalen Welt bestimmen werden. In meiner Eigenschaft als Präsident des MCTL hatte ich ihn für unsere Veranstaltung angeheuert und die Ehre ihn „hinter den Kulissen“ kennenzulernen: Sendungsbewusst, äußerst kompetent und beflissen begeisterte er die Zuhörer … und mich.

Starker Redner – begeisterte Zuhörer

Fast 600 verkaufte Tickets, eine gut gefüllte Europahalle, ein starker Redner: „Nicht die Technologie verändert die Welt, sondern die Art, wie wir sie nutzen“, eröffnet Lobo seine Sicht auf die digitale Transformation. Er skizziert den vernetzten Menschen, der mittlerweile rund um die Uhr zu seinem Smartphone greift, um up-to-date zu sein. Er nennt es die „mobile soziale Revolution“. Es herrsche Datenbegeisterung: „Die deutschen Nutzer verschieben ihre Daten gerne ins Netz.“

Mobile soziale Revolution

Eindrucksvoll erläutert er den Flächenbrand der digitalen Revolution am Beispiel der Zahlungsmittel: In China erfolge die Zahlung von Rechnungen via WeChat, der chinesischen Variante des Messengerdienstes WhatsApp. Der Rechnungsbetrag werde einfach per Nachricht an den Empfänger gesendet. Fertig. Sogar Häuser würden mittlerweile von den Chinesen über den Dienst bezahlt. Lobo umreißt in diesem Zusammenhang seinen Begriff des „Plattform-Kapitalismus“. Nicht mehr der Hardwarehersteller, sondern die Plattformbetreiber bestimmten die Geschäftsprozesse.

Der Siegeszug des Plattform-Kapitalismus

Heute sei nicht mehr die Canon-IXUS die meisterverkaufte Kamera, sondern die Kamera-App des sozialen Fotonetzwerkes Instagram. Die wertvollsten Unternehmen der Welt: Apple, Google, Amazon, Facebook – reine Anbieter von digitalen Plattformen. Ebenso wie Tesla, welches in den USA die Verkaufszahlen deutscher Oberklassen-Karossen längst überholt hätte. Das Auto: Eine Software, die per Updates und Upgrades funktioniere und die PS-Zahl und Reichweite online konfiguriert werde. Er selbst outete sich als Apple-Jünger: Neuestes iPhone, neueste Apple Watch. Bei letzterem hat er allerdings noch nicht herausgefunden, wozu er sie braucht. Doch auch sie sei die meisterverkaufte Uhr der Welt und der Umsatz läge höher als alle Schweizer Uhrenhersteller.

Deutschland spielt bei der Transformation keine Rolle

Für Sascha Lobo gilt das Plattformprinzip. Leider spielten deutsche Unternehmen bei der digitalen Transformation keine Rolle. Um jedoch in Zukunft zu existieren, müssten Unternehmen ihre Wertschöpfung in digitale Plattformen überführen. Ein eindeutiger Aufruf, bei dem viele der anwesenden Unternehmer und Marketer aufhorchten und mit vielen Denkanstößen nach Hause gingen. Auch wenn ich mich wiederhole: Ein eindrucksvoller, kompetenter und anschaulicher Vortrag. Der Referent: Ein Intellektueller, ein Erklärer, ein Warner und dennoch ein Innovator und Visionär! – Danke, Sascha Lobo!

Onlinemarketing-Glossar: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z