04.07.2024

Clickworker – Ausgebeutet für Künstliche Intelligenz: Ein Blick hinter die Kulissen

DALL·E Foto: DALL·E

Der Begriff Clickworker steht seit vielen Jahren auf meiner Buzzwordliste. Wie der Name schon sagt, werden die Menschen für das Klicken bezahlt. Gefällt mir (Likes), Seiten- oder Videoaufrufe, Umfragen etc. Für jeden Klick gibt es Geld. Darunter zu finden sind auch Clickworker-Jobs für das Trainieren von generativen KIs. Diese Tätigkeiten umfassen das Annotieren von Bildern, das Kategorisieren von Texten und viele weitere Aufgaben. Meist sind diese Arbeiter in Ländern mit niedrigen Löhnen beschäftigt. Dazu habe ich heute Morgen einen interessanten Radiobeitrag auf SWR Kultur gehört, der die unsichtbare und oft übersehene Welt der Klickarbeit beleuchtet hat.

Der Alltag eines Klickarbeiters

Ein besonders bewegendes Beispiel aus dem Radiobeitrag war Fred, ein 27-jähriger Klickarbeiter aus Nairobi. Fred arbeitet in einer kleinen Kammer mit einem alten Laptop und markiert stundenlang Drohnenbilder, um einer KI beizubringen, was ein Dach, eine Rasenfläche oder ein Swimmingpool ist. Für diese mühsame Arbeit erhält er nur etwa 1,20 Euro pro Stunde. Der Beitrag beleuchtete die erschreckenden Arbeitsbedingungen, denen viele Klickarbeiter ausgesetzt sind. Niedrige Löhne, ständiger Druck und digitale Überwachung gehören zum Alltag. Arbeiter wie Fred und John, ein weiterer Klickarbeiter aus Nairobi, berichteten von Ausbeutung und einem Übermaß an Kontrolle. Sie müssen spezielle Browser verwenden, die ihre Aktivitäten überwachen, inklusive Screenshots und Webcam-Zugriff.

Die globale Dimension

Das Problem der Klickarbeit ist nicht auf Kenia beschränkt. Plattformen wie Amazons Mechanical Turk ermöglichen es Menschen weltweit, ähnliche Aufgaben zu übernehmen. Eine aktuelle Studie der Universität Oxford zeigt, dass Klickarbeiter im Durchschnitt nur 2,15 Dollar pro Stunde verdienen und zusätzlich viel unbezahlte Zeit mit der Suche nach Aufträgen und dem Absolvieren von Tests verbringen.

Die Rolle großer Unternehmen

Große Technologiekonzerne wie Google, Microsoft und viele andere profitieren von der Klickarbeit. Sie benötigen die annotierten Daten, um ihre KI-Modelle zu trainieren. Doch die Arbeitsbedingungen der Klickarbeiter bleiben oft unsichtbar. Ein Beispiel aus dem Beitrag ist das Pharmaunternehmen Sartorius, das mit Cloudfactory zusammenarbeitet, einem britischen Outsourcing-Unternehmen, das über 7000 Klickarbeiter beschäftigt.

Forderungen nach Veränderung

Experten wie Milagros Miceli vom Weizenbaum-Institut in Berlin und Professor Kristian Kersting von der TU Darmstadt fordern mehr Transparenz und bessere Bedingungen für Klickarbeiter. Sie betonen die Notwendigkeit, diese Arbeitskräfte sichtbar zu machen und ihre Arbeit wertzuschätzen. Die Künstliche Intelligenz, die unsere Welt revolutioniert, basiert zu einem großen Teil auf der unsichtbaren Arbeit von Millionen von Klickarbeitern weltweit. Ohne sie wäre die KI nicht in der Lage, die Fortschritte zu machen, die wir heute erleben.

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