Foto: rdtsKürzlich haben wir bei einem unserer Kunden einen neuen Chatbot eingeführt. Und wenn man ohnehin schon einmal dabei ist, die Inhalte einer Website für einen Chatbot zu verbessern, liegt ein zweiter Schritt ziemlich nahe: Warum nicht gleichzeitig dafür sorgen, dass diese Inhalte auch von ChatGPT, Google AI und anderen KI-Systemen besser verstanden, gefunden und im besten Fall als Quelle genutzt werden?
Genau darum geht es bei GEO – der Generative Engine Optimization. Vereinfacht gesagt ist GEO die Weiterentwicklung dessen, was wir seit Jahrzehnten als SEO kennen. Während klassische Suchmaschinenoptimierung vor allem darauf abzielt, bei Google möglichst weit oben zu erscheinen, geht es bei GEO darum, mit den eigenen Inhalten in den Antworten generativer KI-Systeme vorzukommen. Also nicht nur gefunden, sondern verstanden, eingeordnet und zitiert zu werden.
Das Spannende dabei: Man muss dafür gar nicht anfangen, völlig neue „KI-Texte“ zu schreiben. Im Gegenteil. Bei unserem Projekt wurde schnell deutlich, dass die Regeln für einen guten Chatbot, gute Suchmaschinenoptimierung und gute GEO-Inhalte erstaunlich ähnlich sind.
Eine Frage braucht eine klare Antwort
Viele Websites sind über Jahre gewachsen. Neue Meldungen kommen hinzu, alte Seiten bleiben bestehen, Inhalte werden kopiert, an anderer Stelle ergänzt und irgendwann existieren zu einem Thema drei, vier oder fünf unterschiedliche Seiten. Für einen Menschen ist das schon mühsam. Für einen Chatbot oder eine generative KI ist es nicht besser.
Deshalb lautet eine der wichtigsten Regeln: Lieber eine gute Quelle pflegen als fünf halbe. Eine zentrale Themenseite sollte ein Thema möglichst vollständig erklären. Aktuelle Meldungen können darauf verweisen, statt die Grundlagen jedes Mal neu zu wiederholen. Überschriften und Einleitungen sollten klar sagen, worum es geht, und Datum, Fristen und Ansprechpartner müssen erkennbar aktuell sein.
Auch bei Überschriften zeigt sich, wie groß der Unterschied sein kann. „Neue Regelungen“ ist vielleicht redaktionell korrekt, hilft aber weder dem Nutzer noch der KI besonders weiter. „E-Rechnung ab 2027: Was Unternehmen beachten müssen“ sagt dagegen sofort, worum es geht. Die Frage des Nutzers wird praktisch schon in der Überschrift aufgegriffen.
Ähnlich verhält es sich mit der Einleitung. Webseiten beginnen häufig mit langen Vorbemerkungen, Hintergründen oder verwaltungsnahen Formulierungen. Für Menschen wie für Maschinen ist es besser, die wichtigste Antwort direkt an den Anfang zu stellen. Danach können Details, Voraussetzungen, Abläufe, Fristen oder Hintergrundinformationen folgen.
GEO beginnt nicht bei der KI, sondern bei der Redaktion
Eine der wichtigsten Erkenntnisse unserer Schulung war deshalb: GEO ist zunächst einmal keine technische Disziplin. Es ist eine redaktionelle Aufgabe. Wer Inhalte verständlich, eindeutig und aktuell aufbereitet, hat bereits einen Großteil der Arbeit erledigt.
Wir haben dafür eine einfache Checkliste entwickelt. Ist die Überschrift klar? Steht die Antwort weit oben? Werden Fachbegriffe erklärt? Gibt es eine zentrale Seite für das Thema? Ist die Aktualität erkennbar? Gibt es widersprüchliche ältere Aussagen? Verweisen aktuelle Meldungen auf den Grundlagentext? Und werden die wichtigsten Fragen der Nutzer in einem FAQ beantwortet?
Gerade FAQs sind aus meiner Sicht in diesem Zusammenhang besonders interessant. Generative KI-Systeme arbeiten stark mit Fragen und Antworten. Wer typische Kundenfragen sauber formuliert und unmittelbar beantwortet, schafft damit Inhalte, die nicht nur für Besucher hilfreich sind, sondern auch sehr gut in die Logik moderner KI-Systeme passen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jetzt jede Internetseite nach demselben Schema aufgebaut werden muss. Die Struktur sollte sich immer nach der tatsächlichen Frage des Nutzers richten. Eine gute Themenseite kann mit einer kurzen Antwort beginnen und danach erklären: Was ist das? Wer ist betroffen? Welche Voraussetzungen gibt es? Wie läuft der Prozess ab? Welche Fristen oder Kosten gelten? Welche Unterlagen werden benötigt und wer ist Ansprechpartner?
Gute Inhalte funktionieren überall
Vielleicht ist das die beruhigendste Erkenntnis rund um GEO: Wir müssen nicht noch eine zusätzliche Welt neben SEO, Website, Chatbot und Social Media aufbauen. Die Grundlogik bleibt dieselbe. Klare Überschriften helfen dem Nutzer, dem Chatbot und der KI-Suche. Eine frühe Antwort hilft überall. Verständlich erklärte Fachbegriffe ebenso. Gleiches gilt für eindeutige Quellen, aktuelle Daten, widerspruchsfreie Informationen und belegbare Fakten.
Vor der Veröffentlichung reicht deshalb oft schon ein kurzer Check: Ist sofort klar, welche Frage die Seite beantwortet? Steht die wichtigste Antwort tatsächlich auf der Seite? Sind Daten, Fristen und Zuständigkeiten eindeutig? Ist erkennbar, von wem die Information stammt und dass sie aktuell ist? Und würde man diese Seite selbst als verlässliche Quelle zitieren? Genau diese fünf Fragen haben wir als schnellen GEO-Check definiert.
Für mich ist das auch die eigentliche Botschaft hinter GEO. Wir sollten nicht anfangen, Texte für Maschinen zu schreiben. Wir sollten bessere Texte für Menschen schreiben. Texte, die Fragen beantworten, statt sie zu umkreisen. Texte, die vollständig sind, statt Informationen über zehn Unterseiten zu verteilen. Und Texte, bei denen klar ist, wer etwas sagt, wann es gilt und worauf sich eine Aussage bezieht.
Denn der Chatbot ist am Ende nur so gut wie seine Quellen. Und auch ChatGPT, Google AI und andere generative Systeme können nur mit dem arbeiten, was ihnen im Netz strukturiert, eindeutig und glaubwürdig angeboten wird.
GEO ist deshalb vielleicht weniger Revolution, als der Begriff zunächst vermuten lässt. Es ist vielmehr eine sehr gute Gelegenheit, sich wieder auf etwas zu besinnen, das im Internet eigentlich schon immer wichtig war: gute Inhalte.