Foto: netzversteherWir stehen an der Schwelle einer technologischen Umwälzung, die weit über klassische Digitalisierung hinausgeht. Künstliche Intelligenz, Plattformökonomie und geopolitische Abhängigkeiten verändern Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft grundlegend.
Mit dem Blick nach 2026 formuliere ich meine aktualisierte Digitalisierungsagenda für Deutschland – bewusst pointiert,
bewusst praxisnah und mit klarer Erwartung an Politik, Verwaltung und Wirtschaft.
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Regulierung mit Maß statt Gold Plating
Deutschland läuft Gefahr, technologische Chancen durch Überregulierung zu verspielen. EU AI Act, NIS2, DAC7 und weitere Vorgaben sind gut gemeint, entfalten in der Praxis jedoch oft eine innovationshemmende Wirkung – insbesondere für Mittelstand,
Start-ups und Gründer. Wir brauchen Regulierung mit Augenmaß: risikobasiert, verhältnismäßig und innovationsfreundlich. -
Cybersicherheit als Standortfaktor
Digitale Sicherheit ist keine Nebenbedingung mehr, sondern Grundvoraussetzung für Vertrauen, Investitionen und Wachstum.
NIS2 muss praktikabel umgesetzt werden und darf nicht zum Bürokratiemonster werden. Cybersicherheit gehört auf die
Geschäftsführungsebene – begleitet von klaren Leitlinien, Förderung und praxistauglichen Standards. -
Digitale Infrastruktur endlich konsequent ausbauen
Glasfaser, 5G und perspektivisch 6G sind keine Luxusprojekte, sondern wirtschaftliche Grundversorgung. Gerade im ländlichen Raum entscheidet digitale Infrastruktur über Wettbewerbsfähigkeit, Standortattraktivität und gesellschaftliche Teilhabe. Deutschland muss hier Tempo, Genehmigungen und Zuständigkeiten radikal vereinfachen. -
Daten nutzen, ohne Vertrauen zu verspielen
Datenschutz bleibt ein hohes Gut – darf aber nicht zur Innovationsbremse werden. Wir brauchen einen pragmatischen, europäisch souveränen Umgang mit Daten, der KI-Entwicklung, datengetriebene Geschäftsmodelle und Forschung ermöglicht, ohne Grundrechte auszuhöhlen. -
Digitale Bildung neu denken
Digitale Bildung ist mehr als Tablets im Klassenzimmer. Neben technologischen Kompetenzen müssen unternehmerisches Denken, Problemlösung, Lern- und Innovationstechniken sowie wirtschaftliche Grundkenntnisse vermittelt werden. Lebenslanges Lernen wird zur Normalität – nicht zur Ausnahme. -
KI in die Breite der Wirtschaft bringen
Künstliche Intelligenz darf kein Elitenprojekt weniger Großkonzerne bleiben. Der Mittelstand braucht Zugang zu Know-how, Daten, Rechenleistung und konkreten Anwendungsfällen. Förderprogramme müssen einfacher, verständlicher und wirksamer werden. -
Staat als digitale Plattform
E-Government bleibt eine der größten Baustellen. Der Staat muss vom Formularanbieter zur digitalen Plattform werden.
Ende-zu-Ende-Prozesse, einheitliche Identitäten und medienbruchfreie Verfahren sind überfällig. Bürokratieabbau und Digitalisierung gehören untrennbar zusammen. -
Digitale Souveränität sichern
Abhängigkeiten von wenigen globalen Plattform- und Cloudanbietern bergen wirtschaftliche und geopolitische Risiken. Deutschland und Europa brauchen souveräne Alternativen bei Cloud, Dateninfrastrukturen und KI – nicht aus Abschottung, sondern aus strategischer Vernunft. -
Arbeit und Organisation neu justieren
Die New-Work-Debatte braucht Erdung. Homeoffice ist sinnvoll, wurde aber vielerorts überzogen und missverstanden. Innovation, Identifikation und Teamkultur entstehen nicht allein digital. Hybride Modelle mit klarer Verantwortung und echter Präsenz werden sich durchsetzen. -
Regionen als digitale Reallabore
Digitalisierung entscheidet sich nicht in Berlin, sondern in den Regionen. Mein persönliches Anliegen bleibt, die Region Trier als Modellregion weiterzuentwickeln: mit vernetzter Verwaltung, digitalem Mittelstand, starken Bildungsangeboten und konkreten, messbaren Projekten statt abstrakter Strategiepapiere.
Wir stehen erneut an einem Wendepunkt. 2026 darf nicht das Jahr weiterer Strategiepapiere werden, sondern muss das Jahr der Umsetzung sein. Mut, Klarheit und Geschwindigkeit sind gefragt. Digitale Transformation gelingt nur, wenn wir Verantwortung übernehmen – politisch, unternehmerisch und gesellschaftlich.
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