02.08.2025

Quantencomputer und die Zukunft des Quanteninternet

Grafik: Netzversteher

In meinem Artikel „Quantencomputer: Qubits statt Bits – die Rechner der Zukunft“ habe ich mich klar positioniert: Quantencomputer werden unser Verständnis von Rechenleistung und Verschlüsselung revolutionieren. Für mich steht außer Frage, dass diese Technologie langfristig einen festen Platz in der digitalen Infrastruktur haben wird. Aber: Wenn Quantencomputer kommen, brauchen wir dann nicht auch ein Quanteninternet – sozusagen das passende Netzwerk für die Rechner der Zukunft? Genau das habe ich gedacht – bis ich auf die Kolumne von Sabine Hossenfelder (Bild der Wissenschaft, 08|2025) gestoßen bin. Und die hat mich nachdenklich gemacht. Denn: Nicht jede Zukunftsvision hält einem Realitäts­check stand.

Was ist ein Quanteninternet – und wie soll es funktionieren?

Das Quanteninternet soll Informationen nicht über klassische Signale (Licht, Funk, Elektronen), sondern über den Zustand verschränkter Quantenteilchen übertragen. Das klingt spektakulär – und wird oft fälschlich so dargestellt, als ließen sich Informationen damit sofort und über beliebige Entfernungen hinweg übertragen.

Doch wie Hossenfelder anschaulich erklärt: Diese sogenannte Verschränkung bedeutet keine magische Fernwirkung, sondern nur eine Korrelation – vergleichbar mit zwei Kekshälften, die zusammenpassen. Die Zustände hängen zusammen, ja. Aber der eine beeinflusst den anderen nicht aktiv – und schon gar nicht schneller als Licht.

Quanteninternet: Viel Aufwand, wenig Nutzen?

Selbst wenn die Physik mitspielt, bleibt das praktische Problem: Die Übertragung von Quantenzuständen ist extrem störanfällig. Sobald ein Dritter versucht, die Nachricht mitzulesen, wird der Zustand zerstört – was einerseits ein Sicherheitsvorteil ist, andererseits aber auch eine extreme technische Hürde.

Ein Beispiel: In einem vielbeachteten Experiment wurden Quantenschlüssel über eine Entfernung von 250 Kilometern zwischen Frankfurt und einer Nachbarstadt übertragen – mit einer Datenrate von nur 100 Quantenbits pro Sekunde. Zum Vergleich: Ein DSL-Anschluss ist ein Vielfaches schneller. Damit ist klar: Alltagstauglich ist das (noch) nicht.

Sicherheit: Das starke Argument?

Ein oft genanntes Pro-Argument: Das Quanteninternet ermögliche die ultimative Abhörsicherheit – perfekt für Geheimdienste, Militärs oder internationale Top-Transaktionen. Und in der Theorie stimmt das auch: Wenn jemand versucht, eine verschlüsselte Nachricht abzufangen, wird sie unbrauchbar.

Aber: Die Realität ist nicht so klar. Denn wie Hossenfelder betont, existieren heute bereits Post-Quanten-Kryptografie-Verfahren, die ohne Quantenphysik auskommen – und trotzdem als sicher gegenüber Quantencomputern gelten. Und genau auf diese setzen mittlerweile auch Behörden wie die NSA, das BSI oder das niederländische NCSC.

Quantencomputer – ja. Quanteninternet?

Noch nicht. – Ich bleibe überzeugt: Quantencomputer werden kommen – und vieles verändern. Doch beim Quanteninternet sehe ich die Lage nun differenzierter. Vielleicht braucht es gar kein eigenes Internet für Quantencomputer. Vielleicht reichen klassische Übertragungsnetze mit neuen, quantensicheren Verschlüsselungen.