02.10.2025

Tim Berners-Lee: Ein Weckruf in Zeiten der Künstlichen Intelligenz

netzversteherFoto: netzversteher

Am Wochenende habe ich ein Buch gelesen, das mich noch lange beschäftigen wird: „This is for Everyone“ von niemand Geringerem als Tim Berners-Lee, dem Erfinder des World Wide Web. Erschienen ist das Werk im Rowohlt Verlag – und es ist nicht weniger als ein Blick in die Zukunft des Internets. Ohne seine bahnbrechende Erfindung, das World Wide Web, säße ich vermutlich heute in einer ganz anderen Branche. Aber zum Glück hat Berners-Lee vor über 30 Jahren den Grundstein für das gelegt, was wir heute als digitales Nervensystem unserer Gesellschaft kennen.

Die Anfänge des WorldWideWeb und ein junger Ingenieur

In seinem Buch erzählt Berners-Lee, wie er als Ingenieur am Schweizer Forschungszentrum CERN auf die Idee kam, das damals noch junge Internet mithilfe von standardisierten Protokollen und Hypertext-Links in eine offene Plattform für alle und jeden zu verwandeln. Er läutete damit ein neues Zeitalter der Kreativität und Kollaboration ein. Zugleich aber wurden Kräfte entfesselt, die nichts mit der ursprünglichen Idee des Web gemein hatten: Staaten und Konzerne machten sich daran, das Internet für Macht- und Profitzwecke zu instrumentalisieren.

Künstliche Intelligenz als neue Zäsur

Wann und warum geriet die Utopie, die hinter dem Web stand, ins Wanken? Und wie können wir diese Utopie nicht nur wiederbeleben, sondern auch Wirklichkeit werden lassen? Mit der Ankunft von KI stehen wir an der nächsten Schwelle der Entwicklung, entscheidende Weichen müssen gestellt werden. Tim Berners-Lee zeigt, worauf es dabei ankommt – und warum es sich mehr denn je lohnt, für eine freie und selbstbestimmte Zukunft im Web zu kämpfen.

Berners-Lees Weckruf: „For everyone“

Seine Botschaft ist klar: Wir befinden uns an einem Scheideweg. Noch haben wir die Möglichkeit, die Weichen so zu stellen, dass das Web der Zukunft dem Menschen dient – und nicht umgekehrt. Der Titel des Buches ist Programm: This is for everyone. Für Berners-Lee ist das Web von Anfang an ein offener Raum gewesen, gedacht für die gesamte Menschheit. Doch die Frage ist, ob es auch in Zeiten von KI so bleiben wird.

Die reale Gefahr: Abhängigkeit von Superintelligenz

Berners-Lee spart auch nicht mit warnenden Worten. Er formuliert deshalb drei zentrale Botschaften:
– Wir müssen bestimmen, was das Web sein soll.
– Noch sei Zeit, die digitale Zukunft so zu gestalten, wie wir sie uns wünschen.
– Maschinen sollen dem Menschen dienen – nicht umgekehrt.

Die Gefahr ist real: In den kommenden Jahrzehnten könnte sich die Menschheit in die Abhängigkeit einer Superintelligenz oder humanoider Roboter begeben. Dabei handelt es sich nicht um Science-Fiction, sondern um die entscheidende Frage, wie wir Technologie gestalten – transparent, menschenzentriert und souverän. Andernfalls droht ein Szenario, in dem Maschinenlogik dominiert oder gar eine technologische Singularität das Ende der Menschheit einleitet. Oder wie es Sam Altman vor wenigen Tagen bei seinem Deutschland-Besuch warnte: KI könnte sogar zufällig die Kontrolle über die Welt übernehmen.

Warum das Buch lesenswert ist

„This is for Everyone“ ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein dringender Appell an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft:
– Digitale Souveränität zurückgewinnen.
– Rahmenbedingungen schaffen, damit KI verantwortungsvoll eingesetzt wird.
– Verantwortung übernehmen, bevor sich Technologie verselbstständigt.

Gerade in Zeiten, in denen KI-Systeme wie ChatGPT, autonome Roboter oder generative Plattformen Schlagzeilen machen, liefert Berners-Lees Stimme Orientierung. Für alle aber besonders für diejenigen, die sich mit Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und der Zukunft des Internets beschäftigen, ist dieses Werk unbedingt empfehlenswert.

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Transparenzhinweis: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar zugesendet. Unter diesem Link bestellbar.