21.05.2020

„10X Thinking“ von Google: Die Mondschussfabrik

NASAFoto: NASA

Google zählt zu den großen Innovatoren unserer Zeit. Weniger bekannt ist, dass der Suchmaschinenmonopolist eine Vielzahl an Innovationstechniken hervorgebracht hat, die aus dem Internetbereich nicht mehr wegzudenken sind. Eine der bekanntesten ist der sogenannte „Design Sprint“. Die auf fünf Tage angesetzte Methode hat zum Ziel, möglichst schnell und nutzerorientiert neue Produkte, Funktionen oder Dienstleistungen auf den Markt zu bringen (siehe auch Design Sprints – Fünfmal schneller zum Ziel→). Der Google-Mitarbeiter Jake Knapp erfindet die Technik. Sie wird in allen Google-Bereichen genutzt. Studien zeigen, dass diese agile Arbeitsmethode die Markteinführung erheblich beschleunigt und Produkte um ein Vielfaches erfolgreicher machen.

Alter Wein in neuen Schläuchen

In letzter Zeit tritt das „10X Thinking“ als neues Managementmantra in den Fokus, 10 mal größer zu denken. Wer es nutzt, ist hip. Dabei zählt es zur DNA des Silicon Valleys, groß zu denken: „Start small, think big“ ist wohl der bekannteste Ausspruch, in diesem Fall von Apple-Gründer Steve Jobs, der – wie Microsoft-Gründer Bill Gates – seine Firma aus der Garage gründet. Wer erfolgreich werden will, so die Einstellung, muss in großen Dimensionen und Mehrwerten für die Nutzer denken. Also: Alter Wein in neuen Schläuchen?! Der Gedanke geht noch weitere 10 Jahre zurück, nämlich auf die erste Mondlandung der Amerikaner im Jahr 1969. Der damalige US-Präsident John F. Kennedy formuliert 1962 den Traum, Menschen auf den Mond zu schießen: „Wir haben uns entschlossen, zum Mond zu fliegen – nicht, weil es leicht ist, sondern weil es schwer ist.“ Kennedys Vision von der ersten bemannten Mondlandung beflügelt bis heute Menschen auf der ganzen Welt. Daher wird oft vom Moonshot-Thinking gesprochen.

Die Innovationsfabrik „X“

Bei Google wird Innovation seit jeher großgeschrieben. In der eigenen Innovationsfabrik mit der Bezeichnung „X“ (und der einfachen Internetadresse www.x.company) sollen „radikal neue“ Technologien erfunden werden, um einige der schwierigsten Probleme der Welt zu lösen und sie zu einem besseren Ort zu machen. Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin sehen ihren Erfolg als Verpflichtung an, einen Teil der Unternehmensressourcen in dieses Ziel zu investieren. Das Ziel: Die 10-fache Wirkung auf die hartnäckigsten Probleme der Welt und nicht nur eine Verbesserung um 10 Prozent. Die Projekte sollen zudem mit dem Fokus, der Geschwindigkeit und dem Ehrgeiz eines Start-ups vorangetrieben werden. Und es sollen daraus „Moonshots“ werden – bahnbrechend und mit hohem Nutzen für die Menschheit. Gerne nennt Larry Page „X“ auch eine Mondschussfabrik, „die 5-10 Jahre in die Zukunft blickt und darauf abzielt, neue Technologien zu erfinden und in die Welt zu bringen“. Viele Projekte sind öffentlich bekannt: das selbstfahrende Auto, tragbare Computerbrillen, smarte Kontaktlinsen, Lieferdrohnen und und und. 2019 gelingt ihnen sogar der Durchbruch im Bereich der Quantencomputer (siehe Artikel Quantencomputer – Qubits & DNA statt Bits & Bytes: Die Rechner der Zukunft→).

Das Marsshot-Thinking

Ein andere „Think-big“-Story ist die Geschichte des „Großdenkers“ Elon Musk. Vor allem mit seinen Firmen Tesla und SpaceX hat er bewiesen, groß zu denken. Die Raumfähren von SpaceX sollen in 20 Jahren Menschen direkt zum Mars fliegen. Man könnte also vom Marsshot-Thinking Elon Musks sprechen. Und es gehört dazu, dass seine Projekte oft als skurrile Techfantasien abgetan werden. Wie zum Beispiel seine Hyperloop-Hochgeschwindigkeits-Transportröhren. Spinnerei oder die richtige Denkweise, große Dinge zu schaffen?! Ob Moonshot-, 10X- oder Big-Thinking. Das Mindset, wie es neudeutsch heißt, führt zu Innovationen.

Die Sprunginnovation kommt

Nun haben wir Deutschen qua unserer Vergangenheit Probleme damit, zumindest auszusprechen „groß zu denken“. Daher verwendet die politische Elite hier neuerdings den Begriff der sogenannten Sprunginnovation. Eine Sprunginnovation ist eine radikale, bahnbrechende Innovation, die unser Leben nachhaltig zum Besseren verändert. Dafür wird 2019 die gleichnamige Bundesagentur gegründet und soll Innovatoren auf die Sprünge helfen (siehe Artikel Startschuss für Bundesagentur für Sprunginnovation→). Das bedeutet, die Bundesagentur finanziert die Vorhaben nicht nur, sondern sucht aktiv nach Ideen und den Personen dahinter. Vielleicht gelingt es uns, das Wort Sprunginnovationen, so unsexy es ist, mit dem Spirit des 10X Thinkings von Google in Verbindung zu bringen und an den alten „Erfindergeist“ anzuknüpfen. Denn im letzten Jahrhundert waren wir mit Radio, Fernsehen, Tonband, MP3, Elektronenmikroskop, Automobil usw. mal das Land der Innovatoren. – Fertig zum Sprung?

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