09.01.2020

#greeninternet: Digitale Nutzung schlimmer als Fliegen

netzversteherFoto: netzversteher

Achtung: Durch das Aufrufen dieser Seite verbrauchen Sie 5 Gramm CO2. – Nun bedroht auch das Internet durch seinen CO2-Ausstoß die Umwelt. Zumindest in Deutschland. Während andere Länder das Thema #greeninternet noch nicht auf der Agenda haben, nutzen Stromkonzerne, Rechenzentren und Webhoster es für ihre Public Relation und besetzen das Thema #greeninternet. Tue Gutes und sprich darüber. Der deutsche Stromriese E.ON rief Anfang des Jahres deshalb den #greeninternetday aus. Der Tenor der Kampagne: Aufmerksam machen, Aufklären und, wie gesagt, in eigener Sache werben. Andere unterstellen ihnen das Greenwashing, also aus PR-Zwecken sich ein grünes Mäntelchen umhängen zu wollen. Dazu passt auch der Slogan des Esseners Energiedienstleisters: „Wir machen das Internet grüner.“ Am besagten #greeninternetday, natürlich mit eigens kreiertem Hashtag, haben sie (mehr oder weniger) bekannte Künstler und Influencer für ihre Kampagne gewinnen können, ihre Social Kanäle einen Tag nicht zu nutzen und das auch von ihren Fans und Followern zu verlangen. „Einen Tag offline. Don’t watch, don’t post.“

Das Internet steht am Pranger

Die Energiebilanz durch die Internetnutzung koste Energie und komme oft nicht aus erneuerbaren Energien, so E.ON. Das Thema ist seit dem Hype um die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg hip. Auch EU-Kommissarin Margrethe Vestager warnt vor dem enormen Energiebedarf des Internets, besonders bei den energieintensiven Internetstreaming-Diensten wie Netflix, Youtube usw.

Digitale Nutzung schlimmer als Fliegen

Der BUND hat dazu interessante Zahlen recherchiert und anschauliche Zahlenspiele angestellt. So wäre das Internet der sechstgrößte Stromkonsument auf dem Planeten. Digitale Technologien seien aktuell für 3,7 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich – das seien lt. dem Stromhersteller mehr als der internationale Flugverkehr verursache. Allerdings entfallen ganze 80 Prozent auf Video-Streaming. Video-on-Demand allein erzeuge dabei so viel Treibhausgas wie ganz Chile (über 100 Megatonnen CO2 pro Jahr), so E.ON. Durch die Einführung von 5G könnten nach ihren Berechnungen bis zu 3,8 Milliarden Kilowattstunden zusätzlich anfallen. – Zahlen, die es tatsächlich in sich haben.

Wie geht es weiter?

Das Internet abschalten?! … Das wollen der BUND und Kampagnenführer E.ON nicht. Letzterer will aber mehr grünen Strom an deutsche Rechenzentren liefern. Auch das Nutzen der Abwärme und ein besseres Energiemanagement werden propagiert. Bislang verwendeten nur knapp 20 Prozent der weltweiten Rechenzentren ihrer Abwärme weiter. Der Branchenverband Bitkom fordert deshalb die Förderung von Investitionen in diesem Bereich. Abwärme müsse wirtschaftlich attraktiver angeboten werden. Zu dem Themenfeld hat die Bitkom einen fast 90-seitigen Leitfaden „Energieeffizienz in Rechenzentren“ herausgegeben. Auch die ZDF-Doku „Stromfresser Internet“ zeigt auf, wie die Umweltprobleme, die der Betrieb des Internets verursacht, zu lösen wäre.

Empfehlungen des BUNDs:

Und wie können wir als Privatpersonen unsere Internetnutzung umweltfreundlicher gestalten?

■ Weniger datenintensive Apps sowie Streaming- und Clouddienste nutzen! (Fernsehen per Tuner statt per Stream. Musik offline hören. Vermeidung von Cloudnutzung, Kryptozahlung.)

■ E-Mails weniger häufig und lokal abrufen und unnötige E-Mails löschen.

■ „Grüner suchen“ mit der alternativen Suchmaschinen wie Ecosia. Diese verwenden die Einnahmen aus den Suchanfragen, um Bäume zu pflanzen – immerhin schon 60 Millionen.

Nicht alle Vorschläge sind fortschrittlich. Aber jeder kann mit kleinen Maßnahmen zu einem #greeninternet beitragen. Lasst uns damit beginnen! Ungeachtet dessen sollte genau so engagiert nach technischen Lösungen gesucht werden, um – energetisch sinnvoll – CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen oder zu recyceln.

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