Hackerangriff auf Bundestagsabgeordnete und Promis

G0d heißt der Name des Twitterers, der vielleicht das nächste große Sicherheitsfiasko in der deutschen Geschichte verursacht hat. Tag für Tag öffnete er im Dezember auf seinem Twitter-Account die Türchen eines virtuellen Adventskalenders und präsentierte nicht nur die Kennwörter vieler Parlamentarier, sondern auch Inhalte von Korrespondenzen, Chat-Verläufen, Fotos und Dokumenten.

Nationale Cyber-Abwehrzentrum hat Koordination übernommen

Wie es sich gehört, trat heute Morgen die Bundesregierung vor die Bundespressekonferenz und informierte über die erste Sachlage. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) prüfe den Fall derzeit in enger Abstimmung mit weiteren Bundesbehörden. Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum habe die zentrale Koordination übernommen. Sie bündelt die in den Sicherheitsbehörden des Bundes vorhandene Expertise im Bereich Cybersicherheit und soll eine effektive und effiziente Zusammenarbeit aller staatlichen Stellen zur Koordinierung von Schutz- und Abwehrmaßnahmen gegen IT-Vorfälle gewährleisten. Soll. Denn nach ersten Medienrecherchen waren den Behörden bereits im Dezember erste Hinweise gegeben worden, aber nicht aktiv geworden. Immerhin sei das Regierungsnetz nicht betroffen, beschwichtigt das Amt.

twitter und blogspot sperren Zugänge des Hackers

Auch Prominente sind von dem Hack betroffen. Twitter sperrte heute Morgen die Seite des Twitterers „G0d – @_0rbit“. Auch sein Blog auf auf der Google-Blogcommunity blogspot.com wurde abgeschaltet. Auf der Internetplattform „PrivateBin“ sind die Daten allerdings immer noch verfügbar. Nach eigenen Angaben handelt es sich hierbei um einen „quelloffenen Pastebin-artigen Dienst, bei dem der Server keinerlei Kenntnis der Inhalte hat“. Auf einem Pastebin können anonym Texte und Dateien veröffentlicht werden. Besonders typisch sind die sogenannten Syntaxhervorhebungen je Zeile, wie man sie bei Programmieren einsetzt.

Barley: Schwerwiegender Angriff auf das Recht auf Privatsphäre

Fraglich ist allerdings, wie die Hacker an die Zugangsdaten gelangten und Korrespondenzen und Dokumente abgreifen konnten, insbesondere da dies nicht der erste erfolgreiche Angriff auf die geheimen Daten der Abgeordneten und Regierungsverantwortlichen war. Es wird gemutmaßt, dass es einfach zu eratende Passwörter und Passwörter aus alten Hacks gewesen sein könnten. Justizministerin Katarina Barley und andere Politiker haben sich heute Morgen – ebenfalls über Twitter – zu Wort gemeldet. Barley sieht in der Veröffentlichung persönlicher Daten einen schwerwiegenden Angriff auf das Recht auf Privatsphäre und damit einen Grundpfeiler der Demokratie. „Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen“, warnt die Justizministerin.

Frage nach der nationalen Sicherheit

Nach dem erneuten Sicherheitsfiasko müssen sich die Sicherheitsverantwortlichen die Frage stellen, wie die Zugangsdaten von Bundestagsabgeordneten erneut abgegriffen werden konnten. Hier sollten doch besondere Sicherheitsmechanismen praktiziert werden, wenn es um die nationale Sicherheit des Landes und der Integrität der Politiker und unserer Gesellschaft geht. Ich hoffe nicht, dass in den kommenden Wochen die Arbeit der Parlamentarier mit dieser Debatte überlagert wird, weil Inhalte ihrer vertraulichen Korrespondenzen o. ä. bekannt gemacht worden sind. Ich hoffe auf die Verantwortung der Medien. Es kann nicht sein, dass – wie in den USA geschehen – seitenweise E-Mail-Verkehr der Außenministerin publiziert und publizistisch ausgewertet werden und es nur noch um die politische Ausschlachtung als um die Sacharbeit geht.

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