So holt Deutschland auf: Big Data aus der virtuellen Gameswelt

Bei neuen Technologien hinke Deutschland häufig hinterher. Neben der fehlenden Start-up-Kultur im Techbereich und den fehlenden Förderprogrammen wird immer wieder angeführt, dass die strenge Handhabe von Datenschutz beispielsweise das Sammeln von Daten für Künstliche Intelligenz-Anwendungen verhindere. Um so bemerkenswerter, mit welcher Idee eine Keynote der Trierer Games-Professorin Dr. Linda Breitlauch bei einer Veranstaltung des Marketing Clubs Trier-Luxemburg zu Ende ging.

Computerspiele immer wichtiger werdender Wirtschaftszweig

Zunächst muss man wissen, dass sich Computerspiele zu einem immer wichtigeren Wirtschaftszweig entwickeln – nicht nur im Unterhaltungsmarkt. Abseits des Entertainmentmarkts haben sich die sogenannten Serious Games (seriöse Spiele) und Gamifications (Spielefizierungen) fest etabliert. Sie könnten zu nachhaltigen Formaten in allen Branche werden, vor allem im Aus- und Weiterbildungsbereich. Ebenso enorme Potentiale bietet es der Wirtschaft, Kultur und Therapie. Von Serious Games spricht man übrigens, wenn die Spiele nicht primär oder ausschließlich der Unterhaltung dienen. Im Bereich Gamifications werden spieltypische Elemente in einem spielfremden Kontext eingebaut. Weitere Anwendungsfelder finden sich in den Bereichen Technologie- und Kompetenztransfer, die im Zusammenhang mit den Anforderungen der digitalen Gesellschaft bedeutend sind.

Serious Games: Das Leitmedium des 21. Jahrhunderts?

Deswegen ist Deutschlands erste Gameprofessorin davon überzeugt, dass Serious Games sogar zum Leitmedium des 21. Jahrhunderts werden könnte. Große Worte, doch sie muss es wissen: Sie gilt als eine der Gaming-Koryphäen in Deutschland und wird fachlich über die Grenzen hinweg geschätzt. Im internationalen Vergleich sieht sie allerdings Nachholbedarfe. Vor allem müsse der Standort Deutschland für die Gamesbranche attraktiver gestaltet werden. Und was läge näher, als in Trier – bereits schon jetzt Deutschlands größter Ausbildungsstandort für Spieleentwicklung – einen Hotspot oder neudeutsch Gameshub zu initiieren. Gesagt getan. Zusammen mit Studierenden und Absolventen gründete sie vor wenigen Wochen schon mal einen Verein, den gamesAHEAD e. V. Er könnte der Grundstein für das Silicon Valley der Gamesbranche im Länderviereck Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Belgien sein und zu Neugründungen von Gamesunternehmen in Trier führen.

Big Data aus der virtuellen Gameswelt

Mit bemerkenswerten Zahlen und praktischen Beispielen begeisterte Prof. Breitlauch die Zuhörer vor allem beim Einsatz von Serious Games im Bildungsbereich und der Medizinforschung. Mit dem Freeware-Spiel Foldit war es Computerspielern zum Beispiel gelungen in nur drei Wochen die Struktur eines Enzyms zu entschlüsseln, woran Forscher jahrelang erfolglos geforscht hatten. Diese und andere Erkenntnisse veranlasste die Professorin zu der These, das man mit Spielen und Simulationen nicht nur medizinische Probleme lösen können, sondern sie dazu nutzen könnte, virtuelle Big-Data-Quellen für die Entwicklung in der Künstlichen Intelligenz in Deutschland zu erschliessen. – Ein äußerst interessanter Ansatz von einer ebenso äußerst interessanten Vordenkerin mit Macherqualitäten.

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